Dies und Das
Welch Frevel, Freund! Abtrünnig
wirst du deiner fetten Hanne,
und du liebst jetzt jene spinnig
dürre, magre Marianne!
Läßt man sich vom Fleische locken,
das ist immer noch verzeilich;
aber Buhlschaft mit den Knochen,
diese Sünde ist abscheulich!
Heinrich Heine
„Spock“-Darsteller Leonard Nimoy ist auch abseits von „Star Trek“ für seine künstlerische Vielfalt bekannt. Der 73-Jährige ist als Schauspieler, Sänger, Drehbuchautor, Regisseur und Fotograf tätig - unter anderem verfilmte er die amerikanische Adaption der 80er-Komödie „Drei Männer und ein Baby“. Jetzt bringt Nimoy ein Buch mit Fotos von vollschlanken Frauen heraus. Titel: „Maximum Beauty“.
Die abgelichteten Damen sind Mitglieder der Kabarett-Gruppe „The Fat Bottom Revue“; in ihrem Programm treten sie gegen die Diskriminierung von übergewichtigen Personen auf. Nimoy dazu: „Die Damen sind sehr selbstbewusst. Zu viele Menschen habe ein Problem, weil sie nicht den Körper haben, den man in Modemagazinen findet.“
Die Posen in den Fotos sind legendären Fotografien der berühmten Aktfotografen Herb Ritts und Helmut Newton nachempfunden. Nimoy: „Ich bin an Menschen interessiert, und der menschliche Körper fasziniert mich genauso, wie er Künstler schon vor hunderten Jahren fasziniert hat.“
Mit seinen Fotos hat der „Spock“-Darsteller schon einmal Aufsehen erregt: 2003 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel „Shekhina“, in dem Frauen, die nichts als rituelle jüdische Gebetsutensilien tragen, abgebildet sind.
Dicke werden in unserer Gesellschaft immer noch belächelt, verspottet und zum Teil nicht ernst genommen. Ihnen wird immer noch nachgesagt, auch dumm, unbeweglich, hässlich und inflexibel zu sein. Obwohl immer mehr attraktive, starke, intelligente, dicke Frauen und Männer in der Öffentlichkeit auftreten, sind viele weitverbreitete Mythen nicht aus den Köpfen der Menschen zu vertreiben. Diese weit verbreiteten Annahmen über dicke Menschen werden oft benutzt um dicke Menschen als "Zweite-Klasse-Mitmenschen" zu behandeln und sie erzeugen eine "der oder die ist selbst schuld" Auffassung.
Der Wille allein macht’s
Ein Mythos sagt: “Wenn dicke Menschen nur richtig wollten, würden sie auch abnehmen”. Dabei ist ein permanenter Gewichtsverlust für die meisten dicken Menschen illusorisch; 95 - 98% aller Diäten scheitern innerhalb von drei Jahren. Das Versagen der Diäten ist nicht die Schuld der Menschen, die diese anwenden, sondern die Anpassung des Körpers an die geringer zugeführten Kalorien, die ein Versagen der Diät vorprogrammieren. Über das Phänomen der "Jo-Jo-Diät" wird oft gesprochen. Tatsache ist, dass das “Diäten” oft zu 10 kg Gewichtsverlust, 15 kg Zunahme, 20 kg Verlust, 25 kg Zunahme usw. führt.
Dicke finden keinen Partner
Oft heisst es, dass Dicke Frauen keinen Partner finden können. Dabei haben dicke Frauen in der Regel immer wieder eingetrichtert bekommen, dass sie unerotisch und hässlich sind. Viele dicke Frauen haben wegen ihres Umfanges tiefe Kränkungen erlebt. Aus diesen Grund fühlen sich dicke Frauen meist nicht attraktiv und glauben oft nicht an sich selbst. Durch diese Konstellation ist es erfahrungsgemäss sehr schwer auf Männer selbstbewußt und anziehend zu wirken.
Dicke verursachen Kosten
Ein weiterer sehr beliebter Vorwurf, der uns Dicken gemacht wird, lautet: “Dick sein ist ungesund und verursacht unnötige Kosten der Krankenkassen”. Dabei haben Untersuchungen ergeben, dass es wahrscheinlich gesünder ist, ein stabiles (Über-) gewicht zu behalten, als fortlaufend Diäten durchzuführen.
Zahlreiche Studien haben nachgewiesen, dass bei Diäten Muskeln, Knochen und sogar Gehirnzellen abgebaut werden. Die Muskeln, die am meisten gefährdet sind, sind die Herzmuskeln selbst. Die Framingham-Studie, veröffentlicht im "New England Journal of Medicine", 1991, hat nachgewiesen, dass das Risiko, am Herz zu erkranken, 70% höher ist, wenn das Gewicht stark schwankend ist, als wenn das Gewicht relativ stabil auf einem Level geblieben war.
Hoher Blutdruck ist ein weiterer Nebeneffekt bei Diäten, verursacht durch hohen physischen und psychischen Stress. Der ernährungsbedingte Stress kann auch zu einem elektrolytischen Ungleichgewicht führen, d.h. im Blut befindet sich eine sehr geringe Menge an Kalium, welches zum Herzinfarkt führen kann. Neuere Studien haben einen direkten Zusammenhang zwischen Diäten und Osteoporose nachgewiesen. Eine Studie wies nach, dass schon ein fünfmonatiges Diätprogramm zu einem signifikanten Knochenverlust führte. Ursprünglich bekannt als eine Krankheit, die nach den Wechseljahren auftritt, erkranken heute schon jüngere Frauen, insbesondere Tänzerinnen und Athletinnen an Osteoporose.
Die Liste der Krankheiten, die mit Diäten verbunden werden, ist lang und wird mit jedem Tag ein bisschen länger. Es weisen immer mehr Studien nach, dass unsere "Kuren" uns umbringen. Die Krankheitsliste enthält: Angstzustände, Depressionen, Lethargie, verringertes Selbstbewußtsein, verminderte Aufnahmefähigkeit, Schwächeanfälle, hoher Blutdruck, Haarverlust, Erkrankungen der Gallenblase, Gallensteine, Herzinfarkt, Geschwüre, Verstopfung, Anämie, trockene Haut, Schwindelanfälle, vermindertes Sexbedürfnis, Menstruationsunregelmäßigkeiten, Gicht, Unfruchtbarkeit, Nierensteine, Taubheit in den Beinen, Gewichtszunahme, Essstörungen, verringerte Abwehrkräfte, verringerte Bewegungstoleranz, elektrolytisches Ungleichgewicht, Knochenverlust, Osteoporose und Tod.
Eine Studie fand weiterhin heraus, dass Menschen, die erfolgreich erheblich abgenommen haben und ihr geringeres Gewicht quasi gewaltsam aufrecht erhalten, eindeutige Anzeichen und Symptome von Magersucht (Anorexia nervosa) aufweisen.
Viele der Krankheiten, die durch Diäten verursacht werden befinden sich auch auf der Liste der sogenannten Krankheiten die durch Fettleibigkeit entstehen können. Die meisten MedizinerInnen, die über zu dicke Menschen forschen, unterscheiden nicht zwischen solchen Menschen, die Diäten gemacht haben, und solchen, die keine gemacht haben. In Amerika z.B. ist es sehr schwierig, überhaupt einen dicken Menschen zu finden, der nicht sein ganzes Leben lang von einer Diät in die nächste gestolpert ist. Studien in anderen Kulturen - in denen dick sein akzeptiert ist - zeigen, dass sehr viele "Dicken-Krankheiten" wesentlich seltener auftauchen als z.B. in den USA. Dies ist ein deutlicher Indikator, dass Diäten und der Stress, in einer schlankheitsversessenen Gesellschaft zu leben, viele Probleme verursacht.
Über die Studien von Krankenkassen, die Fett in direkten Zusammenhang mit Herzkrankheiten stellen, wurde viel berichtet. Dennoch stellte Ancel Keys, der 16 verschiedene Langzeitstudien in 7 verschiedenen Ländern zu dem Thema koordiniert hat, fest: "In keiner der Länder dieser Studie war Übergewicht oder Fettleibigkeit ein grosses Todesrisiko oder der Auslöser für eine Herzkranzgefässerkrankung".
Die 7-Länder-Studie, sowie weitere Studien wie die Framingham-, die Albany-, die Tecumseh-, Chicago People's Gas und die Chicago Western Electric-Studie fanden alle heraus, dass Menschen mit einem Gewicht 20 - 40% über dem sogenannten "Normalgewicht" die höchste Lebenserwartung haben. Und auch wenn die mögliche Sterblichkeitsrate bei zunehmendem Gewicht vielleicht ansteigt, so haben immer noch die Menschen mit und unter dem "Idealgewicht" nach den Studien tatsächlich die geringere Lebenserwartung.
Zusätzlich zu der höheren Lebenserwartung von dicken Menschen ist das Risiko, an verschiedenen Arten von Krebs sowie an Atemwegserkrankungen zu erkranken, geringer. Bei dicken Menschen kommt Brustkrebs in den mittleren Jahren sowie Magenkrebs, Lungenkrebs, Dickdarmkrebs und Hirnhauterkrankungen seltener vor. Auch die Häufigkeit von Bronchitis und Tuberkulose, Blutarmut, Magengeschwüren und Hüft- und Wirbelsäulenbrüchen ist geringer.
Zusätzlich zu den Fragen, welche die medizinische Forschung aufführt, ist ein wichtiger Gesichtspunkt, das es für dicke Menschen sehr schwierig ist gesund und fit zu bleiben. Durch von Vorurteilen geprägte medizinische Behandlung erhalten dicke Menschen oft nicht die angemessene präventive Gesundheitsversorgung und die Diagnose im Krankheitsfall wird allzuleicht auf Übergewicht ausgestellt. Erschwerend kommt hinzu, dass sich viele dicke Menschen nicht wohl fühlen, wenn sie an sportlichen Tätigkeiten teilnehmen, die wiederum eine grössere Fitness zur Folge hätten. Durch die alltäglichen Belästigungen benutzen dicke Menschen ungern Schwimmbäder, Fitnessclubs oder den öffentlichen Raum (joggen, radfahren etc.).
Häufig dient besonders die Gesundheitsfrage als Schauplatz für ein Schattenspiel zur Rechtfertigung verweigerter Grundrechte. Die Annahme, dass dicke Menschen ungesunder sind, wird häufig benutzt um Diskriminierungen auf dem Arbeitsmarkt, in Ausbildungsfragen, Wohnungen und Adoptionsmöglichkeiten zu rechtfertigen.
Dicke Menschen sind hässlich
Schönheit ist eine gelernte Norm und diese kulturelle Schönheitsnorm verändert sich im Laufe der Zeit. Um die Jahrhundertwende wog das führende Sexsymbol in den USA, Lillian Russell, über 100 kg. Marilyn Monroe würde heutzutage als "übergewichtig" beurteilt werden. Heute geben in unserer Gesellschaft massgeblich die Medien, die Werbe- und die Diätindustrie das Schönheitsideal vor. Wichtig ist, sich daran zu erinnern, dass diese uns unsere Unzufriedenheit mit unserem Körper verkaufen um selbst grösstmöglichen Profit damit zu erzielen.
Neben diesen Mythen sind dicke Menschen, mit alltäglichen Erfahrungen konfrontiert, die für “Nicht-Dicke” nur schwer zu begreifen sind.
gefunden auf www.rundnaund.ch
